Exchange Traded Funds – kurz ETFs – haben die private Geldanlage in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. Wer heute langfristig investiert, kommt an ihnen kaum vorbei. Doch was steckt hinter der Abkürzung, und worauf sollten Anlegerinnen und Anleger achten?
Was ist ein ETF?
Ein ETF ist ein börsengehandelter Investmentfonds, der in der Regel einen bestimmten Index nachbildet – etwa den DAX, den MSCI World oder einen breiten Anleiheindex. Anleger erwerben mit einem einzigen Wertpapier einen anteiligen Zugriff auf sämtliche im Index enthaltenen Werte.
Physisch oder synthetisch?
- Physisch replizierend: Der Fonds hält die im Index enthaltenen Titel im Original – vollständig oder als repräsentative Auswahl (Sampling).
- Synthetisch replizierend: Ein Swap-Partner garantiert die Indexrendite gegen Sicherheiten; die Zusammensetzung des Sicherheitenkorbs kann abweichen.
Kosten: Warum ETFs so günstig sind
ETFs verzichten auf aktives Management. Die laufenden Kosten – ausgedrückt als Total Expense Ratio (TER) – liegen bei breit gestreuten Aktien-ETFs häufig zwischen 0,05 und 0,25 Prozent pro Jahr. Aktiv gemanagte Fonds verlangen oft das Zehnfache, ohne dass sich dies durch Mehrrendite rechtfertigen ließe.
| Anlageform | Laufende Kosten p. a. | Ausgabeaufschlag |
|---|---|---|
| Aktien-ETF (Welt) | 0,05 % – 0,25 % | 0 % |
| Anleihen-ETF | 0,10 % – 0,30 % | 0 % |
| Aktiv gemanagter Aktienfonds | 1,50 % – 2,20 % | bis 5 % |
| Dachfonds | 1,80 % – 3,00 % | bis 5 % |
Thesaurierend oder ausschüttend?
Thesaurierende ETFs legen Dividenden automatisch wieder an – ideal für den langfristigen Vermögensaufbau. Ausschüttende ETFs zahlen Erträge regelmäßig aus, was für Anleger sinnvoll sein kann, die aus dem Depot ergänzendes Einkommen beziehen möchten.
Der ETF-Sparplan
Über einen ETF-Sparplan investieren Anlegerinnen und Anleger regelmäßig – oft schon ab 25 Euro pro Monat – automatisiert in einen oder mehrere ETFs. Der Zeitpunkt-Vorteil des Cost-Average-Effekts und das disziplinierte Sparen sind die beiden großen Vorzüge.
„Wer früh anfängt und diszipliniert bleibt, gewinnt gegen fast jeden Markttiming-Versuch – das ist das offene Geheimnis erfolgreicher Privatanleger.“
Steuern in Deutschland
Auf Erträge aus ETFs fällt Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an. Für Aktien-ETFs gilt die Teilfreistellung von 30 Prozent. Der Sparer-Pauschbetrag liegt aktuell bei 1.000 Euro für Alleinstehende (2.000 Euro bei Zusammenveranlagung).
Auswahl in der Praxis: Worauf Sie wirklich achten sollten
In den einschlägigen Datenbanken sind über 3.000 in Europa zugelassene ETFs gelistet. Die schiere Anzahl überfordert viele Einsteiger. In der Praxis lässt sich die Auswahl entlang weniger Kriterien deutlich verengen: Fondsvolumen, Alter, Domizil, Replikationsmethode und Ausschüttungspolitik. Als Faustregel gilt: Ein Fondsvolumen über 500 Millionen Euro und eine Historie von mindestens drei Jahren reduzieren das Risiko einer späteren Zusammenlegung oder Auflösung deutlich.
Das Domizil – ein oft unterschätztes Detail
Viele in Deutschland handelbare ETFs sind in Irland oder Luxemburg aufgelegt. Irische Fonds profitieren häufig von günstigen Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA, was sich bei US-lastigen Indizes auf die Quellensteuer und damit die Nettorendite auswirken kann. Für Anlegerinnen und Anleger, die überwiegend Welt- oder US-Indizes besparen, ist dieses Detail über Jahrzehnte gerechnet keineswegs zu vernachlässigen.
Tracking Difference statt nur TER
Die Total Expense Ratio ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Kostenindikator. Aussagekräftiger ist die sogenannte Tracking Difference – also die tatsächliche Abweichung zwischen ETF-Performance und Index über einen längeren Zeitraum. Sie berücksichtigt neben den laufenden Kosten auch Erträge aus Wertpapierleihe, Handelskosten und steuerliche Effekte.
„Ein ETF mit 0,20 Prozent TER und minimaler Tracking Difference kann in der Praxis günstiger sein als ein Konkurrent mit 0,07 Prozent TER, der den Index deutlich schlechter abbildet.“
Welt-Portfolio in zwei oder drei Bausteinen
Für Einsteiger reicht in aller Regel ein einzelner Welt-ETF – etwa auf den MSCI World oder den FTSE All-World. Wer Schwellenländer stärker gewichten möchte, kombiniert einen MSCI-World-ETF mit einem MSCI-Emerging-Markets-ETF im Verhältnis 70:30 oder 80:20. Ein dritter Baustein aus Anleihen kommt in Betracht, wenn der Anlagehorizont unter zehn Jahren liegt oder Kursschwankungen bewusst gedämpft werden sollen.
Sparplanausführung und Kosten
Zahlreiche Broker bieten Sparpläne inzwischen ohne Ordergebühren an. Achten Sie dennoch auf die Ausführungshäufigkeit (monatlich, zwei Mal pro Monat, wöchentlich) und darauf, ob Spread-Aufschläge über den Handelsplatz erhoben werden. Bei sehr kleinen Sparraten unter 25 Euro monatlich können prozentuale Kosten stärker ins Gewicht fallen als es der scheinbare Nullpreis suggeriert.
Verhalten in Krisenphasen
Die entscheidenden Renditen der letzten fünfzig Jahre wurden nicht in Boomphasen erwirtschaftet, sondern in der Fähigkeit, in den unvermeidlichen Bärenmärkten investiert zu bleiben. Wer 1987, 2000, 2008 oder im März 2020 verkauft hat, hat die anschließenden Erholungen strukturell verpasst. Ein schriftlich fixierter Anlageplan, dem Sie in guten wie schlechten Zeiten folgen, ist deshalb der wichtigste Erfolgsfaktor überhaupt.



