LIVEFr., 16.10.2026

USA

Geldpolitische Sackgasse: Wie die US-Teuerung Washington vor den Midterms lahmlegt

Die US-Inflation steigt im September überraschend auf 3,7 Prozent und bringt die Federal Reserve unter Zugzwang. Für US-Präsident Donald Trump verschärft sich die politische Lage vor den anstehenden Zwischenwahlen angesichts einer Rekordschuldenlast von 40 Billionen Dollar drastisch.

Katharina Scholz

Von Katharina Scholz

Katharina Scholz beleuchtet die Schnittstelle zwischen Berliner Politik und der deutschen Wirtschaft. Ihre präzisen Analysen zeigen auf, wie Gesetzgebungsverfahren die heimische Industrie beeinflussen. · · 3 Min.

Geldpolitische Sackgasse: Wie die US-Teuerung Washington vor den Midterms lahmlegt
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Die größte Volkswirtschaft der Welt steht vor einem ungemütlichen Herbst. Die neuesten Daten des US-Arbeitsministeriums zeigen einen unerwartet kräftigen Anstieg der Verbraucherpreise im September um 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Nach einer Rate von 3,4 Prozent im August setzt sich damit ein besorgniserregender Trend fort: Die Teuerung nähert sich wieder dem Dreijahreshoch von 4,2 Prozent an, das erst im Mai infolge des folgenschweren Irankriegs erreicht worden war. Für uns als Redaktion des *Wirtschaftsfensters* zeigt diese Dynamik vor allem eines: Der geldpolitische Spielraum der US-Notenbank Federal Reserve engt sich massiv ein, während die Regierung unter US-Präsident Donald Trump vor den kommenden Zwischenwahlen wirtschaftspolitisch zunehmend handlungsunfähig wirkt.

Energiekosten als unbarmherziger Preistreiber

Ein genauerer Blick auf die Details der Preisentwicklung offenbart die Treiber dieses neuen Inflationsschubs. Es sind vor allem die Energiekosten, die wie ein Katalysator auf das allgemeine Preisniveau wirken. Globale Rohstoffmärkte, insbesondere der Markt für Erdöl, haben sich in den vergangenen Wochen drastisch verteuert.

Für die Verbraucher in den USA schlägt sich diese Entwicklung unmittelbar im Alltag nieder. Für Energie mussten die Bürger im September gut ein Fünftel mehr bezahlen als noch im Vorjahr. Besonders drastisch fiel der Anstieg bei den Kraftstoffen aus, die sich um etwa 34 Prozent verteuerten. Nahezu existenzbedrohend für viele Haushalte im Hinblick auf den kommenden Winter ist die Preisentwicklung bei Heizöl: Hier wurde ein massiver Preissprung von rund 74 Prozent verzeichnet. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der Inflationsdruck längst kein rein theoretisches Problem der Finanzmärkte ist, sondern die reale Kaufkraft der US-Bürger im Kern erschüttert.

Politischer Sprengstoff vor den Zwischenwahlen

Für US-Präsident Donald Trump kommt dieser wirtschaftliche Gegenwind zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Im November stehen die wegweisenden Zwischenwahlen an. Derzeit halten die Republikaner nur noch eine knappe Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses – eine Vormachtstellung, die angesichts der wachsenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung ernsthaft in Gefahr gerät.

Trumps ursprüngliches Versprechen, die Teuerungswelle mit harter Hand einzudämmen, erweist sich im Angesicht der nackten Zahlen als ungelöstes Problem. Seine bisherige Strategie, die Schuld im Weißen Haus zu umschiffen, indem er die US-Notenbank Fed fortlaufend attackierte und lautstark Zinssenkungen forderte, ist gescheitert. Die Federal Reserve, die ein klares Inflationsziel von zwei Prozent verfolgt, kann auf die aktuelle Teuerungsrate nicht mit einer Lockerung reagieren. Im Gegenteil: Der Druck, die Leitzinsen weiter anzuheben, wächst von Tag zu Tag.

Das 40-Billionen-Dollar-Dilemma

Flankiert wird die ohnehin angespannte Lage von einer dramatischen Entwicklung der Staatsfinanzen. Im August kletterten die offiziellen Staatsschulden der USA auf die astronomische Marke von 40 Billionen Dollar. Der jüngste Versuch der Trump-Regierung, durch den gezielten Kauf von Staatsanleihen den konjunkturellen Schaden zu begrenzen und die Zinslast scheinbar zu kontrollieren, stößt bei Ökonomen auf harsche Kritik. Ein solches Vorgehen droht die Glaubwürdigkeit der US-Finanzpolitik nachhaltig zu untergraben und könnte im schlimmsten Fall über eine zusätzliche Liquiditätsschwemme die Inflation langfristig weiter anheizen.

Auch aus der Wissenschaft kommen warnende Stimmen hinsichtlich der kommenden Monate. Dirk Chlench, Ökonom bei der Landesbank LBBW, prognostiziert in einer Stellungnahme für die Nachrichtenagentur dpa zwar, dass die Federal Reserve auf ihrer kommenden Sitzung im Oktober die Leitzinsen vorerst unverändert lassen dürfte. Eine weitere Anhebung im Dezember scheint aus seiner Sicht jedoch bereits gesetzt. Chlench warnt zudem davor, dass die US-Inflation in den kommenden Monaten sogar auf eine Rate von mehr als vier Prozent im Vorjahresvergleich zusteuern könnte.

Für die globale Konjunktur und insbesondere auch für europäische Exportmärkte bedeutet dies: Die Phase der restriktiven Geldpolitik und der hohen Zinsen im Dollar-Raum wird sich auf absehbare Zeit verlängern. Washington befindet sich im Würgegriff zwischen eskalierenden Schulden und unkontrollierter Inflation – ein Zustand, der weit über die anstehenden Wahlen hinaus das bestimmende ökonomische Thema bleiben wird.

Eigenständig verfasst von der Wirtschaftsfenster-Redaktion. Recherchegrundlage: DER SPIEGEL. Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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